West Highland Way, Schottland

Abstieg nach Inveroran

Anfang September 2016 bin ich mit meinen Kindern (15 und 18) den West Highland Way in Schottland gegangen. Da uns netto nur 5 plus 2 halbe Tage zur Verfügung standen (Flug von München nach Glasgow mit LH immer samstags), haben wir die Lowlands ausgelassen und sind mit Uber direkt von Glasgow bis Balmaha gefahren. Dort starteten wir am Samstag nachmittag. Da ich nicht wusste, wie es mit dem Laufen klappt, hatte ich von vorneherein den Plan B in der Schublade, Teile der Strecke mit dem Zug zu fahren.
In der Tat machte mir das schwere Gepäck ziemlich zu schaffen und die Motivation bei meinen Kindern war auch nicht gerade riesig. So entschieden wir uns am dritten Tag, die Strecke zwischen Crianlarich und Bridge of Orchy mit dem Zug zurückzulegen. Dies ersparte uns einen Tagesmarsch von 20 km, so dass wir insgesamt in den 6 Tagen etwa 100 km zu Fuss gingen. Am Donnerstag abend trafen wir schließlich in der Jugendherberge Ben Nevis bei Fort William ein, der Freitag war Rückreisetag nach Glasgow und am Samstag vormittag ging der Flieger nach Hause. Hier die Toureneinteilung:

Sa: Anreise und Balmaha – Sallochy Campsite, 9 km
So: Sallochy Campsite – Inversnaid Wild Camping, 16 km
Mo: Inversnaid – Abzweigung Crianlarich, 20 km
Di: Zug: Crianlarich – Bridge of Orchy (21 km), dann Bridge of Orchy – Glencoe Mountain Campsite 19 km
Mi: Glencoe Mountain Campsite – Kinlochleven, 15 km
Do: Kinlochleven – JH Ben Nevis, 20 km
Fr: JH Ben Nevis – Fort William, 5 km und Rückfahrt Glascow
Sa: Heimreise

Der Grund für unser schweres Gepäck lag einerseits an den kompletten Lebensmittelvorräten, die wir für eine Woche mitführten und andererseits an zwei Zelten (4 kg und 2 kg) und nicht gewichtsoptimierter Ausrüstung. Allerdings stellt sich hier auch die Frage, inwieweit sich der Kauf einer solchen Ausrüstung für meine Kinder lohnt, wenn sie eine solche Tour in absehbarer Zeit nicht mehr mitmachen werden…

Wildnis
Egal wie schön die Landschaft des WHW wirklich ist, fast die gesamte Strecke verläuft in der Nähe oder Hörweite einer Autostrasse, der A82. Wenn dann am Loch Lomond am Wochenende noch die Wasserscooter unterwegs sind, kann es schon sehr laut werden. Wirklich sehr schade. Also ich würde die Tour jederzeit wieder machen, aber man darf keine echte Einsamkeit oder Wildnis in den Highlands erwarten.

Am Loch Lomond

Wild Camping
Ja, Schottland gehört zu den Gegenden, in denen wildes Campen erlaubt ist (ausgenommen ein Stück zwischen Balmaha und hinter Rowardennan). Praktisch ist es aber völlig unmöglich wirklich wild zu campen. Die Highlands sind ein komplettes Sumpfgebiet. Selbst auf den Berggipfeln gibt es keine Flächen, die nicht wasserdurchtränkt wären. Letztlich ist man fast nur auf künstlich angelegte Stellen beschränktn. Auf manchen Etappen gibt es überhaupt nur Campingplätze. Hier eine lose Auswahl einiger Campingmöglichkeiten entlang des WHW:

  • Kurz hinter dem Naturschutzgebiet am Loch Lomond (hinter Rowardennan) kommen einige traumhaft schöne Plätze etwas erhöht mit Seeblick, leider für uns zu früh an diesem Tag, es lohnt sich diese Stellen als Übernachtung zu planen
  • Kurz hinter Inversnaid (nicht beim Hotel, sondern ca. 1 km weiter, siehe Foto)
  • Bei der Anzweigung nach Crianlarich eher notdürftig im Wald
  • Zwischen Inveroran Hotel und Victoria Bridge bei der Brücke direkt am Fluss, sehr schön
  • Zwischen Victoria Bridge und Glencoe Mountain Campsite gibt es im Rannoch Moor einen kleinen geschützten Platz für max. 2 Zelte hinter einem künstlich aufgeschütteten Wall
  • Hinter dem Kingshouse Hotel am Fluss (ich würde aber die Glencoe Mountain Campsite bevorzugen, dort gibt es super leckere Burger!)
  • In Kinlochleven direkt am WHW ortsauswärts ein paar Plätze im Wald
  • Zwischen Kinlochleven und Lochan Lunn Da Bhra nur in der Nähe der Passhöhe max. 2 Zelte hinter einem künstlich aufgeschütteten Wall
Schöner Platz bei Inversnaid
Not-Camp im Toilettenwald bei Crianlarich

Wetter
Ich habe es ja nicht glauben können. Aber es ist die Wahrheit. Eine Wettervorhersage für die Highlands ist unbrauchbar. Die Vorhersage und das Wetter ändern sich ständig. So erging es uns, als tagelang für Donnerstag Sonne und schönes Wetter vorhergesagt war. Am Mittwoch abend änderte sich die Vorhersage aber plötzlich in Regen und so kam es dann auch. Meistens erlebt man alle Wetterarten an einem Tag, morgens oft Nieselregen grau in grau, plötzlich am Vormittag die Sonne, ab Nachmittag zieht es wieder zu und in der Nacht Regen. So oft habe ich mein Zelt noch nie bei Regen eingepackt.

Sauwetter auf der letzten Etappe

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.