Tag 4: Skårgistugan – Algganjalmme

Umkehren! (27 km, 985 Hm)

Ich wache frühmorgens auf, als Regentropfen auf mein Zelt fallen. Komisch, es soll doch blauen Himmel geben. Ein Blick aus dem Zelt verrät: Es gibt zwar Wolkenlücken, aber eigentlich schaut es eher nach Regen aus und es tröpfelt auch immer wieder. Mein Stimmung ist im Sinkflug…

Trotzdem ist es hier richtig schön.

Dann erreiche ich Skårgistugan, eine geschlossene Hütte und ansonsten Moskito-verseuchter Ort. Hier in der Nähe stehen auch einige Zelte. Ich bin froh um meinen letzten schönen Lagerplatz.

Ich beginne dem Aufstieg zum Snavvavagge. Dort muss ein Pass überschritten und ein See passiert werden, bevor es wieder ins Rapadalen nach unten geht. Der Weg weiter direkt am Fluss gilt es eher herausfordernd und darauf verzichte ich lieber. Es kommen mir relativ viele Leute entgegen, ich zähle heute bestimmt 20 Begegnungen, irgendwo muss ein Nest sein. Ein Mann erzählt mir, dass sie vor 3 Tagen in Rinim gestartet sind und sie heute zum ersten Mal die Sonne sehen.

Ziel für heute ist ja zumindest Skarja als entferntesten Punkt im Sarek zu erreichen, von dem aus ich den Rückweg nach Kvikkjokk angehen kann. Ein besserer Ausgangspunkt wäre sogar noch 6 km weiter die schönen Wiesen von Algganjalmme. Auf der Passhöhe fängt es an zu regnen und ich muss jetzt endgültig meine Regenkleidung auspacken. Ziemlich triste Gegend da oben. Die Stimmung sinkt noch mehr…

Nach dem See wird die Aussicht aber punktuell besser teilweise tauchen kurz Berge auf.

Am Ende des Hochtals kann ich erstmals wieder ins Rapadalen blicken und ahne, wo Skarja liegt. Von dort hinten kommt ein Regenschauer nach dem anderen, immer das gleiche Spiel: Erst sieht man die dunklen Wolken, die ziehen das Rapadalen hinunter und dann werde ich nassgeduscht. Der Abstieg über die glatten Steine ist kriminell.

Da hinten am Horizont in der Bildmitte liegt Skarja
Der Weg führt rechts hoch über den Hügel

Meine Handschuhe sind komplett nass. Wenn das Wetter so bleibt, möchte ich auf keinen Fall mehrere Tage im Sarek bleiben. Ein trockenes Zelt, Schlafsack, Kleidung etc. sind hier überlebenswichtig und bei diesem Wetter für längere Zeit nicht zu gewährleisten.

Der weitere Weg das Rapadalen hoch Richtung Skarja ist dann ganz ok, zwar recht feucht, aber teilweise ist eine Pfadspur vorhanden. Bis ich vor dem Bach Tjagnarisjagasj stehe. Der ist wahnsinnig voll und ich habe Zweifel, ob der überhaupt furtbar ist. Glücklicherweise treffe ich auf ein Pärchen, das auch gerade eine passende Stelle sucht. Falls ich absaufe, kann dann wenigstens jemand Hilfe holen. Als ich einen brauchbaren Übergang finde, zögere ich nicht lange. Das Wasser geht über die Knie und die Strömung ist extrem stark, man muss sie richtig dagegenstemmen. Dann bin ich auch schön drüben. Trotzdem steckt mir der Schrecken in den Gliedern. Das brauche ich nicht öfters.

Wenig später erreiche ich Skarja. Hier gibt es eine Hütte mit Notfalltelefon und eine nette Zeltwiese. Und alleine ist man auch nicht. So, jetzt ist die große Frage hier bleiben oder noch die 6 km bis Algganjalmme weitergehen. Eigentlich bin ich platt. Und gerade auch etwas abgeschreckt, was den weiteren Weg angeht. Ich mache Pause und schaue mir genau den Führer und Karte an. Hmmm… Ich bin hin- und hergerissen. Aber irgendwie zieht es mich weiter. OK, ich gehe noch nach Algganjalmme für heute. Morgen entscheide ich dann über Weitergehen oder Umkehren.

Zwischendrin mal wieder eine Pfadspur, die aber wenig später verschwand

Kurz vor Algganjalmme lichten sich die Wolken etwas und die Berge schauen sehr beeindruckend aus.

Dann erreiche ich diese herrlichen großen Wiesen, ein Zelt steht schon da und wir winken uns aus der Ferne zu. Es wäre noch gut, den Fluß Smajlljahka zu überqueren. Aber hier führt eine Pfadspur in den Fluß und auf der anderen Seite wieder heraus an einer Stelle, die unter diesen Bedingungen auf keinen Fall furtbar ist, dafür ist das Wasser viel zu hoch und reißend.

Damit ist für mich die Sache klar. Unter diesen Bedingungen kann ich nicht weitergehen. Zuerst habe ich keine Ahnung wie ich diesen Fluss durchqueren soll. Und wenn ich dann im weiteren Verlauf nach 6 Tagen wieder an so eine Stelle komme und es nicht weitergeht, habe ich auch keine Chance wieder im Zeitrahmen zurückzugehen. Das Risiko will ich nicht eingehen. Der Tage heute mit dem miesen Wetter und der Monster-Furt haben mich schockiert. Was solls, ich war im Herzen des Sarek und dieser Ort ist ein tolles und würdiges Ziel.

Ich brüte noch lange im Zelt mit meinem Führer und der Karte nach Alternativen für den Rückweg. Aber entweder sind mir die zu weit (Padjelantaleden) oder zu kompliziert (Rinim). Also werde ich einfach zurückgehen. Diesen Weg kenne ich, wenngleich der verdammt mühsam war…

Wenigstens scheint sich das Wetter gegen Abend etwas zu bessern. Unter Donnergetöse des nahen Gebirgsflusses schlafe ich ein.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.