Tag 3: Aktse – Skårgistugan

Der König des Sarek (29 km, 1417 Hm)

Ich bin aufgeregt, denn heute geht es in den Sarek. Zunächst ist aber noch der Skierfe zu erklimmen. Ich folge dem Kungsleden noch ein kurzes Stück bergauf, dann kommt die Abzweigung.

Im Aufstieg zum Skierfe (rechts im Bild)
Blick zurück nach Aktse

Hier oben gibt es eine Reihe von Lagerplätzen oberhalb der Baumgrenze mit sicher deutlich weniger Moskitos als an meinem Nachtlager.

Nach ca. 2h deponiere ich meinen Rucksack auf der Passhöhe am Fuße des Gipfelaufbaus des Skierfe und beginne den Schlußanstieg. Schon hier verliere ich manchmal den Weg. Oben bietet sich ein atemberaubender Anblick auf das Rapadalen.

Der Skierfe bricht hier wirklich senkrecht ins Rapadalen ab und man kann bis zur Kante vorgehen und ins Leere schauen. Fast eine Stunde bleibe ich am Gipfel, man kann sich einfach nicht satt sehen.

Dann steige ich wieder zum Sattel ab, nehme meinen Rucksack auf und gehe einfach in den Sarek. Ich bin sofort alleine, denn alle anderen, die zum Skierfe hochstiegen, gehen zum Kungsleden zurück. Das Gelände ist anfangs recht einfach, es geht in eine Senke. Es ist noch ungewohnt ohne Pfad zu gehen, ständig die Richtung zu checken und den besten Weg zu suchen.

Nach der Senke kommt gleich ein recht steiler Berg der Gierdogiesjtahkka. Ich würde eigentlich eher über den Berg gehen, aber in meinem Führer steht, dass man einfach am steilen Südhang entlang geht. Und es finden sich auch immer wieder Pfadspuren. Als ich schon fast um den Berg rum bin, wird das Gelände immer steiler und ich stehe plötzlich vor einem tief eingeschnittenen Canyon. Hier ist definitiv kein Durchkommen. Also ruhig bleiben, erst mal Rucksack absetzen und den weiteren Weg erkunden. Nach oben raus scheint es flacher zu werden. Also schnappe ich mir wieder meinen Rucksack, klettere ein bisschen hoch in flacheres Gelände, bis ich an einer einfachen Stelle zum Nammasijahka hinuntersteigen kann. Das ersten Furten mit meinen Neoprenschlappen klappt bestens.

Ab da ist das Gelände deutlich einfacher. Manchmal findet man auch vereinzelt Steinmänner. Und ich habe gleich am Anfang etwas Wichtiges gelernt: Für jede geplante Strecke werde ich zukünftig die Höhenlinien auf der Karte genaustens checken. Was heute heißt: Immer über 1000 m NN bleiben, dann sollte das Furten der Bäche kein Problem darstellen.

So vergeht der Tag und gegen 17 Uhr komme ich an Wiesen vorbei, die in meinem Führer als eine der schönsten Stellen zum Zelten im Sarek beschrieben werden und zugleich das Ende der ersten Etappe darstellt. Aber ich wollte ja heute soweit wie möglich kommen, fühle mich noch gut und hier oben ist es auch sehr ungemütlich. Es windet immer noch stark und es gibt kaum Schutz. Im Tal bin ich sicher besser aufgehoben.

Also setze ich mir selbst das Ziel: Ich steige noch ab und der erste Campspot, den ich nach 19 Uhr erreiche, soll mein Nachtlager werden. Beim Abstieg ins Rapadalen steht noch die Querung des Alep Vassjajagasi an. Der rauscht mächtig und schaut nicht gerade einladend zum Furten aus. Gerade als ich nach einer passenden Stelle Ausschau halte, erspähe ich zwei Wanderer, die mir entgegenkommen.

Der Alep Vassjajagasi

Sie stellen sich als zwei Franzosen heraus, die in Absiko gestartet sind und damit schon eine Weile unterwegs sein dürften. Sie wollen nach Aktse und ich geben Ihnen ein paar Tipps für den Weg. Sie schauen müde aus und geben mir den Rat, einfach dem Bach talwärts zu folgen, bis sich eine Überquerungsmöglichkeit bietet. Die folgende Durchquerung des Waldes soll mühsam sein. Ich folge einem ausgetretenen Pfad in den lichten Birkenwald:

Wenig später finde ich dann auch eine passende Stelle, die Furt ist aber eher grenzwertig: Das Wasser geht bis über die Knie und der Strom ist so reißend, dass ich beim Weitersetzen des Beines mit Kraft gegen die Strömung ankämpfen muss.

Auf der anderen Seite kämpfe ich mich einen steilen Abhang nach oben, indem ich mich am Gestrüpp hochziehe. Dann stehe ich im Birkenwald. Ziel ist nun den in den Karten eingezeichneten Pfad auf der Rapdalen Nordseite zu erreichen und möglichst weit nach Skårgistugan voranzukommen. Das Gelände ist jetzt nicht undurchdringlich, aber man muss alle paar Meter anhalten und schauen, wo es am besten weitergeht, und wie die Peilung zum Weg ausschaut.

Ich sollte nun direkt hinter einem Sumpfgebiet auf den Weg treffen. Aber als ich laut GPS genau auf dem Weg stehe, ist da nur sumpfiges Gras. Na, toll. Aber das kenne ich ja schon von Neuseeland. Dieses Mal bleibe ich cool, denn ich bin im Sarek und habe eigentlich gar keinen Weg erwartet. Also umgehe ich das Sumpfgebiet und schlage dann einfach die Richtung nach Skårgistugan ein. Und siehe da: Nach 10 min. eine Pfadspur!

Ich kann gar nicht beschreiben, wie angenehm das nach 8h in weglosem Gelände ist: Einfach dumm einem Weg folgen und nicht ständig suchen oder sich durchs Gebüsch kämpfen müssen. Manchmal ist die Wegspur zwar schwer zu erkennen, aber ich achte peinlich darauf, sie nicht zu verlieren.

Langsam merke ich, wie müde ich bin, und gegen 19:30 Uhr stehe ich in einem kleinen Birkenwald direkt am Weg vor einer kleinen Grasfläche, die wohl schon öfter als Lager genutzt wurde. Das ist mein Platz! A Traum!

Und das Beste: Direkt daneben ist ein kleiner See. Das Wasser ist nicht mal knietief und der Boden sandig. Um 21 Uhr liege ich frisch gebadet und satt in meinem Schlafsack und höre Musik aus meinem Handy. Was für ein Tag! Fast 30 km, 4 mal gefurtet, durch Birkenwald und Sumpf geschlagen. Und ab morgen soll das Wetter richtig schön werden. Ich fühle mich, wie der König des Sarek! Was kann mich jetzt noch aufhalten…

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