Travers Sabine Circuit – Tag 2

Travers Saddle – Georg lyon Hut, 22 km, 1350 Hm

Am nächsten Morgen steige ich zum West Sabine Hut ab. Auch kein Spaß. Der Weg ist teilweise sehr steil und der Abstieg anstrengend. Dafür hört man hier wieder interessante Vogelstimmen.

Ich treffe auf eine Neuseeländerin, wir tauschen uns kurz aus. Ihr Tourenziel war die Übernachtung am Travers Saddle beim See. Sie will heute nur zur West Sabine Hut absteigen. Mein Ziel Moss Pass begeistert sie. Das D’Urville Valley auf der anderen Seite soll das beste Tal im Gebiet sein und sie war vor Jahren zuletzt dort. Nur der Abstieg sei sehr steil. Ich denke kurz darüber nach und frage mich, was sie mit steil meint. Ich habe schon viele Bergtouren gemacht und war früher alpin klettern, so schlimm kann das doch gar nicht sein…

Nach über 1000 Hm Abstieg erreiche ich die West Sabine Hut. Es folgt ein angenehmer Aufstieg zum Blue Lake mit der dazugehörigen Hütte. Es geht teilweise am Fluss entlang und ich treffe Leute beim Baden. Ich vertreibe mir die Zeit mit Musikhören. Die letzten Meter zur Hütte sind paradiesisch, der Bach schlängelt sich durch den Wald. Von der Blue Lake Hut geht es noch ein kleines Stück zum Blue Lake, dem klarsten See der Welt. Ich suche mir bei den Steinen eine schöne Sitzgelegenheit und mache Mittag. Peinlichst genau achte ich darauf, den See nicht zu verschmutzen.

In der Hütte trage ich mich noch ins Hüttenbuch ein. Dann suche ich die Abzweigung zur Moss Pass Route. Nach der Abzweigung bin ich sofort völlig alleine. Auch die Beschaffenheit des Weges lässt darauf schließen, dass hier nicht allzu viele Leute entlangkommen. Immer wieder muss ich den Weg suchen und bald wird er nur noch durch Stangen gekennzeichnet, die aus dem hohen Gras ragen. Es geht steil bergauf und nach jeder Stange gilt es die nächste zu sichten, um den „Weg“ nicht zu verlieren.

Etwas oberhalb ergeben sich schöne Ausblicke auf den Blue Lake und lassen die Klarheit des Wassers erahnen.

Blick zurück Richtung West Sabine Hut, rechts hinten der Mt. Travers

Weiter oben kommt der Moss Pass in Sicht. Es geht eine steinerne Rinne mit einigem Geröll hoch hoch. Hier ist wirklich alles lose und man muss teilweise die Arme zu Hilfe nehmen. ich bin gespannt, wie das andere Tal und der steile Abstieg aussehen wird. Nach 6h Nettogehzeit erreiche ich endlich die Passhöhe.

Das neue Tal sieht sehr verlockend aus und der Abstieg moderat.

Immer den Stangen folgen…

Von dort oben wäre ich gekommen, wenn ich die Variante über den Waiau-Pass genommen hätte. Aber ich bin schon jetzt froh, den kürzeren Weg gewählt zu haben. Man kommt doch deutlich langsamer vorwärts wie gedacht und die Wegsuche ist anstrengend. Trotzdem geht der Abstieg bis jetzt problemlos und ich frage mich, was die Neuseeländerin mit „steil“ gemeint hat.

Das verstehe ich einige Zeit später als es in der Wald geht. Ab jetzt geht der Weg senkrecht nach unten. Im Wald liegen alte Äste und Baumstämme kreuz und quer.Eine Pfadspur gibt es nicht. Man muss peinlichst genau auf die roten Dreiecke achten, die gerade in so einem Abstand angebracht sind, dass man von einem aus das nächste finden kann. Trotzdem muss ich ein paar Mal zum vorherigen Dreieck zurückgehen, da ich keine Markierung mehr entdecken kann und befürchte mich verlaufen zu haben.

So geht es wieder über 1000 Hm hinab direkt in der Falllinie und mit einer entspannten Wanderung hat das nichts zu tun. Also ich endlich unten ankomme, stehe ich vor eine eingewachsenen Hängebrücke. Seit der Blue Lake Hut habe ich keine Menschenseele mehr getroffen und ich ahne, dass ich in diesem Tal mehr oder weniger alleine sein werde.

Die letzten zwei Kilometer zur Georg Lyon Hut ziehen sich. Der Weg ist jetzt zwar flach, aber unwegsam. Als ich die Hütte endlich erreiche und meine Abendnachricht über das Garmin inReach per Satellit rausschicken möchte, merke ich, dass es hier nicht mal Satellitenempfang gibt. Das Tal ist relativ eng, die Bäume sehr dicht und offensichtlich ist hier kein Satellit erreichbar. Anhand der rausgesendeten Trackpunkte sehe ich, dass vor ca. 30 min der letzte Empfang war. Also stelle ich meinen Rucksack in die Hütte und gehe den Weg noch mal zurück. Mitten im Flussbett geht endlich meine Nachricht raus und eine Stunde später bei einbrechender Dunkelheit lasse ich es mir in der Hütte endlich gut gehen. Was für ein Tag.

Die Georg Lyon Hut, mal wieder eine Nacht komplett alleine

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